Gedichte
 
Am einfachsten lassen sich für mich ungreifbare Bilder in Gedichte verwandeln, wenn sie mit Emotionen verbunden sind. Die Schreiberei war mir lange Zeit sehr wichtig, heute schreibe ich nur noch sehr selten, die Wogen der Jugend in mir sind zu einer viel sanfteren See verebbt. Es hat mir damals zum Teil fast täglich geholfen klare Bilder zu finden, sie in Worte zu übertragen, zu reflektieren und mit ihnen umgehen zu lernen als Teil von mir. Hier sind einige übertragen.
 
Lebensfäden (2013)
 
Der Webstuhl ist das Leben
von jenem gegeben
Das Gewebe das hergestellt
besteht aus Gedanken
die vorgestellt
im Geiste
verbunden mit dem Werden
mit dem Sterben
wie alles auf Erden
Raum und Zeit
bilden den Rahmen
die Muster entstehen
der Faden schießt beständig
durch weitere Fäden
das wundervolle Bild
es wird lebendig
ist
in prächtigen Farben
es vergeht
wie Herbstlaub verweht
zeronnen
was begonnen
doch die Weberin webt
es wird aufs Neue gelebt
wenn die Weberin webt
dieser Zyklus nie verebbt
 
Der Wind (2011)
 
Der Wind lässt die Bäume winken
er fährt ihnen durchs Geäst
er fährt ihnen durch die Blätter
was die Bäume winken lässt
 
Der Wind lässt die Blätter fallen
er nimmt sie in die Lüfte mit
der Wind lässt die Blätter tanzen
auf einem kurzen Ritt
 
Leere Hüllen (2009)
 
Wie soll ich jene achten
die nach dem Leben trachten
nicht direkt
es scheint versteckt
doch
in einer jeden Zelle
liegt geborgen ihr Wille
noch
kann ich sie nicht sehen
wenn sie an mir vorrübergehen
jene die nie ans Leben dachten
die nichts ins Werden brachten
noch nicht einmal das Vergehen
könne sie verstehen
sie sind gestorben
als sie geboren
eine Leere Hülle
die vieles bewirkt
bis das Leben um sie stirbt...
 
Spinnennetz (2009)
 
Wie eine Motte ins Licht
die Spinne lacht ins Gesicht
 
Geblendet vom Schein
bleibt das Netz allein
 
darin gefangen
dem falschen Licht nachgegangen
 
und wieder und wieder
zieht es dort hin
bis alle Glieder
gefangen im feinen Garn
bis er schwindet der Sinn
 
die Spinne kam
mit ihrem Biss
der Tod ist nun gewiss
 
Wertlos (2009)
 
Geboren
verloren
 
nichts wert
alles nur verkehrt
 
nichts ist recht
alles schlecht
zu viel der Worte
falsch, der Gedanken Pforte
 
in der Träume Welt
ins Sein des Lebens
 
ohne Wert
alles, ist nur verkehrt
 
kein Weg
ist richtig
keiner versteht
alles nichtig
 
die Bilder
die Freude
Überschwang
von allem ein wenig
manchmal
ein wenig zu viel
 
es ist niemals recht
bis es im Inneren bricht
 
ein Haufen Scherben ohne Wert
 
endlich wurden die Worte wahr
nichts mehr ist gewahr
was einst einmal gewesen
 
keine Bilder
keine Träume
keine Gedanken
keine Freude
kein Überschwang
 
niemals zu viel
von dem
was sowieso nie gefiel...
 
Verfasst: 18. Mai 2009
 
Glücklich allein zu sein (2008)
 
Wenn es Dich im Inneren plagt
alles in Dir nur noch verzagt
alles in Dir scheint zu zerreißen
kannst sie gar nicht bennen
weißt nicht einmal, wie sie heißen
all diese Gefühle in Dir
würdest am liebsten aufhören zu existieren
bevorzugst in dem Moment sogar das vegitieren
es in Dir brennt als wären Flammen die Deine Organe verzeheren
Du nicht mehr weißt wie Du Dich sollst dagegen wehren
Du Dich fallen lässt
es still in Dir wird
es nur noch die Kälte ist, die Dich berührt
nichts mehr außer Panik ist, was Du spürst
die Hände ihre Farbe verlieren
Du beginnst am ganzen Körper zu frieren
Du Dich nicht mehr kannst bewegen
wie im Schock gelähmt
nichts, dass diese Kälte zähmt
es Dir kalt das Rückrad herab rinnt alles in Dir nur noch nach sofort existieren aufhören sinnt
dann fühlst Du Dich wie ich mich gelegentlich
doch eines, das weiß ich sicherlich
nach einiger Zeit strömt die Wärme wieder in mich hinein
verliebt in mich selbst, in das Leben
nichts außer das Sein kann mir dies geben
dann bin ich glücklich allein, zu Sein
 
Traum (2004)
 
Vom Traum getragen durch eine fremde Welt
irreal die Realität entstellt
Nicht leicht ist sie zu verstehn
darin Weisungen fürs Leben zu sehn
Der schönste seiner Art:
welcher Witz und Weisheit hat
 
Alltag (2001)
 
Es tut so gut, bei klarer Nacht den Mond anzuschauen
ebenso wie die Sonne im Morgengrauen.
Doch sodann der Alltag beginnt
es kommt die Zeit
wo aller naiver Traum zerrinnt
stets wachsam bereit.
Lärm, Hass, Neid den Alltag bestimmt
selten sind Begegnungen mit einem ruhigen Geist
alle Flucht in Naivität man mir nimmt
wo ist ein Wesen, das nicht über Ehrlichkeit Witze reißt?
Es tut so gut durch Wälder zu reiten
ebenso wie mit dem Kajak über das fließende Wasser zu gleiten.
Die Pflanzen werden Tote genannt
Jedes Leben heißts wird ohne Geist geboren
Menschlichkeit wird mit der Zunge verbrannt
Der Bezug zum Leben geht verloren
 
Unerträgliches Sein (2000)
 
Will genießen, möchte sein
Bitte lass mich nicht allein!
Ein Schrei in der Kehle erstickt
als ich die Erinnerung erblickt.
Wollt ich flög im Sturm umher
Mich überlassen dem Wind
Wollt ich wär ein kleines Kind
Getragen in Mutters Leib
Wollt ich wär ein Tropfen im Meer
Im Sturm meter hohe Wellen
Als Tropfen an der Spitze der Gischt
Wollt geladenes Teilchen könnt ich sein
Getragen im Blitzgewirr.
Sanftmut mich regiert ich wünscht.
Was soll das Zerstörerische in mir?
Unbestimmtes Grollen
Etwas zerstören wollen
Boshaft gemein
Bloß weit weg von daheim
Keinen sehen den man liebt
Keiner wird sein, ders mir vergibt...
die Erkenntnis sie ruht in mir.
Verzweiflung
Von der eigenen Existenz gehetzt
Unruhig, nervös
Der Groll klingt ab
Das Gewitter vorbei
Die Ruhe kehrt zurück
Meiner Selbst wieder bewusst
Stille um mich herum
Selbst die Geräusche werden stumm
Eine Sekunde in der Zeit erstickt
Jede Relation verloren