Stundenblume

Leben, eine Kunst

Osterzeit 2018

Die Osterfreuden in der christlichen Diaspora sind eher privater Natur. Im kleinen Kreis der Familie finden sie Einzug in die Ostertage. Nach so vielen Jahren in Berlin habe ich mich nun daran gewöhnt.

Der große Vorteil davon in einem kleinen familiären Kreis die Hochfeste zu begehen ist ja, dass man sich selbst neu finden muss. In eine Gemeinschaft eingebunden ist das anders. Viele sind dort am tun. Mal mehr mal weniger christlich, aber zusammen. Es wird vom Pfarrer, den ganzen Messdienern, der Gemeinde, allen gemeinsam Ostern gefeiert. In der Nacht schon konnte man bei uns am Petersberg die österliche Feierlichkeit mit einer Kerze als geweihtes Licht nach Hause tragen.

Hier habe ich nun ein Osterfeuer in meiner Schale und muss selbst für unsere Familie die ganze Feier organisieren. Es ist eine Herausforderung für mich, die sich sonst immer als kleiner Teil eines großen Ganzen fühlte. Und das als Frau in einer männerdominierten katholischen Kirche.

Und so bleibt in mir die Christin. Immer weniger fühle ich mich katholisch. Insbesondere auch, da ich als Autistin in der Kirche nun auch einem enormen Stigma unterliege. Den Führenden ist es gar nicht wichtig, was wir Autisten denken. Die Christlichkeit die ich erlebte in meinem Dorf war gewachsen. Durch die Gemeinschaft der Gläubigen wurde ich akzeptiert genau so wie ich bin. Betrachte ich aber die Kirche nun aus der Ferne meiner Heimat verliert sie all den Glanz aus meiner Kindheit. Es war nicht der Verdienst vom Papst, es war der Verdienst wunderbarer Menschen, als Pfarrer, wie Messdiener, wie Gemeinde. Alle gemeinsam machten das Gefühl lebendig, dass die Osterfreude direkt mitten unter uns ist! - und lebt... weiterlebt die gesamte Osterzeit. 

Und das Jahr wurde von den Themen des Jahreskreises getragen. Nicht nur an Ostern. Hier in Berlin findet das in meinem Bezirk nicht statt. Es gibt keine christliche Gemeinschaft, auch nicht in den geballten katholischen Zentren die es hier natürlich trotzdem gibt. Es ist eine Gemeinde ohne Herz. Ohne österlichen Geist. Und ich allein als Frau, als minderwertig gesehene Autistin sowieso nicht, sagt doch der Vatikan selbst, dass es in Ordnung sei uns zu ächten mit Kennzeichnung falsch zu sein.

Ich verstehe langsam, wie sich die Homosexuellen fühlen in der katholischen Kirche. Und es ist enorm, wie schnell es geht einer Gruppe zugeordnet zu werden, die falsch sein soll, wegen eines Eintrags in einem Buch. Per Buchstaben degradiert werden zu können empfinde ich alles andere als christlich. 

Und so räumte ich heute in der Früh die Feuerschale wieder in den Unterstand mit der Osterasche, die ich in den Garten verstreuen werde. Ein weiteres Feuer wird es noch geben, wenn die ganze große Familie, die Gemeinschaft im Sinne Jesu nochmals zusammen kommen wird. Und ich spüre, wie ich wohl merke kein Katholik mehr zu sein. Letztendlich wurde ich ob Buchstaben in einem Buch von meiner Gemeinde ausgestoßen, in der Diaspora. Und dem Erzbischof selbst ist es nicht wichtig. Als Antwort bekam ich, dass ich ja nur eine Autistin sei, die sich an ihn wendet, das wäre nicht ausreichend etwas zu verändern.

Ein verlorenes Schaf auf weiter Flur, mit einem Hirten dem ich es nicht wert bin, dass er sich selbst auf den Weg macht für mich zu sorgen.

Aber bevor ich nun endgültig mit der katholischen Kirche zu brechen beginne, werde ich es nochmals versuchen. Vielleicht habe ich ja nur nicht laut genug geschrien, als kleine Schaf das von der Herde ausgestoßen wurde, so dass es vom Hirten nicht ernst genommen wird. Es kann ja sein, dass Andersartigkeit in der Neurobiologie doch gar nicht so geächtet werden wünscht aus dem Herzen heraus und sie es einfach nur nicht besser wissen. Mal sehen was geschieht, wenn ich als Schaf lauter um Hilfe rufe.

Meine Gedanken beim Aufräumen schweifen nun aber erst einmal wieder in den Garten. Ein Foto der ersten Blumen habe ich euch in meinem Blogartikel eingefügt. Die Gott-gegebene Schöpfung im direkten Umfeld zu hegen und zu pflegen gehört bestimmt auch zu den Dingen, die in der Osterzeit ganz besonders wichtig sind. Denn nur wenn die Gemeinschaft in der man ist zusammen hält, man füreinander da ist, das Gemeinsame miteinander hegt und pflegt kommt dieses Ostergefühl zustande. Wenn zwei oder drei in Gottes Namen versammelt sind ist er mitten unter ihnen.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen Menschen um euch, mit denen ihr gemeinsam Ostern feiern könnt. Ob nun als Christen, Katholiken oder Atheisten, der Geist von Ostern hängt nicht von der Kirche ab, so viel weiß ich gewiss. Es sind die Menschen, die beisammen sind und die Weise wie sie Ostern feiern und würdigen.

Ich wünsche euch eine frohe und gesegnete Osterzeit!

Tags: Ostern,

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